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Kreisverband Nordhausen der Kleingärtner e. V.

Historisches

Das Kleingartenwesen hat in Stadt und Kreis Nordhausen eine lange Tradition — der erste Verein entstand 1904 in Salza.

Illustration eines Vereinsheims mit Wimpelkette und Fahnenmast, davor drei Gartenzwerge in einer Reihe wie ein Vorstand

1904–1918

Die ersten Parzellen

Als in Nordhausen die ersten Schrebergärten entstanden, war die Idee schon vierzig Jahre alt. Hier begann es 1904 in Salza — damals noch eine eigenständige Gemeinde vor den Toren der Stadt. Etwa zur selben Zeit vergab der Nordhäuser Magistrat einige Parzellen zur kleingärtnerischen Nutzung.

Was als Erholungsfläche für Familien gedacht war, wurde im Ersten Weltkrieg zur Ernährungsfrage — ein Wechsel zwischen Erholung und Versorgung, der sich in diesem Jahrhundert noch mehrfach wiederholen sollte.

  1. 1864 Zeitgeschichte

    Der erste Schreberverein

    In Leipzig gründet sich ein Verein, der nach dem 1861 verstorbenen Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber benannt wird. Die Gärten kamen erst einige Jahre später dazu — den Namen „Schrebergarten“ trugen sie da bereits.

  2. 1904 Vor Ort

    Der erste Kleingartenverein in Salza

    In der damals selbstständigen Gemeinde Salza entsteht der erste Kleingartenverein der Region.

  3. um 1904 Vor Ort

    Die ersten Schrebergärten in Nordhausen

    Der Magistrat vergibt einige Parzellen zur kleingärtnerischen Nutzung.

  4. 1913 Vor Ort

    Gründung des Schrebergartenvereins „Dahlie“

    Der Postassistent Carl Bergmann ruft den Verein ins Leben. Der Name begleitet das Nordhäuser Kleingartenwesen über sechs Jahrzehnte und mehrere Umbenennungen hinweg.

  5. 1914–1918 Zeitgeschichte

    Erster Weltkrieg

    Der Kleingarten wird zum Teil der Ernährung. Reichsweit wächst die Zahl der Parzellen erheblich.

1919–1932

Wachstum, Konkurs und Neuanfang

Die Jahre zwischen den Kriegen brachten dem Nordhäuser Kleingartenwesen beides: den ersten rechtlichen Rahmen und die erste große Krise. Bis 1926 waren neun Anlagen entstanden — von ihnen besteht heute nur noch eine, und die verkleinert.

Der Nachfolgeverein baute wieder auf. Einige Obleute versuchten dabei, die einzelnen Anlagen selbstständig zu machen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Es dauerte vier Jahrzehnte, bis diese Frage anders entschieden wurde. Durch die rege Bautätigkeit in Nordhausen wurden Anlagen aufgelöst und verkleinert, andere kamen neu hinzu.

  1. 1919 Zeitgeschichte

    Erstes reichsweites Kleingartenrecht

    Die Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung vom 31. Juli 1919 bindet den Pachtpreis und schützt vor Kündigung. Beide Grundgedanken tragen bis heute — sie stehen im Bundeskleingartengesetz.

  2. 1921 Vor Ort

    Bleicherode legt seine erste Anlage an

  3. 1922 Vor Ort

    Ellrich: Anlage „Am Rosenbach“

  4. 1923 Zeitgeschichte

    Hyperinflation

    Geld verliert binnen Monaten jeden Wert. Der selbst geerntete Zentner Kartoffeln zählt mehr als der Preis, den man dafür bekäme.

  5. 1926 Vor Ort

    Konkurs des Schrebergartenvereins „Dahlie“

    Der Kauf einer Gaststätte und deren kostspieliger Ausbau zum „Schreberheim“ hatte den Verein finanziell überfordert. Von den neun bis dahin entstandenen Anlagen besteht heute nur noch eine, verkleinerte.

  6. nach 1926 Vor Ort

    Der „Schrebergartenverein Nordhausen“ tritt an die Stelle

    Vorsitz Karl Manigk, Beisitzer P. Döring, Schriftführer Gustav Gerlach — ein Name, der noch zwei Systemwechsel überdauern wird.

  7. 1929 Zeitgeschichte

    Weltwirtschaftskrise

    Mit der Massenarbeitslosigkeit gewinnt der Kleingarten wieder als Selbstversorgung an Bedeutung; vielerorts wird eigens Land an Erwerbslose verpachtet.

1933–1945

Gleichschaltung und Krieg

Mit dem Führerprinzip endete auch im Kleingartenwesen die Wahl: Die Vorsitzenden wurden nicht mehr gewählt, sondern vom übergeordneten Führer ernannt. In Nordhausen bestand eine Stadtgruppe, in der alle Kleingärtnervereine des Kreises Grafschaft Hohnstein und sogar die aus Heiligenstadt Aufnahme fanden.

Der Krieg griff unmittelbar in die Anlagen ein — erst durch den Ausbau des Flugplatzes, dann durch die Luftangriffe im April 1945, die drei Viertel der Stadt zerstörten.

  1. 1933 Zeitgeschichte

    Machtübernahme der NSDAP

    Vereine und Verbände werden gleichgeschaltet. An die Stelle gewählter Vorstände tritt das Führerprinzip.

  2. 1933 Vor Ort

    17 Anlagen

    So weit war der Verein bis dahin gewachsen. Die Vorsitzenden werden von nun an ernannt.

  3. 1934 Vor Ort

    Der Flugplatz verdrängt zwei Anlagen

    Für den Ausbau zum kriegswichtigen Stützpunkt müssen die Anlagen 6 und 15 weichen. Die neue Anlage 15 entsteht am Roßmannsbach — diesem Umstand verdankt der Kleingärtnerverein „Am Roßmannsbach“ seinen heutigen Standort.

  4. 1943 Zeitgeschichte

    KZ Mittelbau-Dora

    Im Kohnstein bei Nordhausen entsteht ein Konzentrationslager; Häftlinge müssen unter Tage Rüstungsgüter fertigen. Zehntausende Menschen werden hierher verschleppt, Tausende überleben es nicht.

  5. 3./4. April 1945 Zeitgeschichte

    Die Luftangriffe auf Nordhausen

    75 % der Stadt liegen danach in Schutt und Asche. Viele Kleingartenanlagen sind zerstört.

  6. 1945 Vor Ort

    19 Anlagen vor dem Zusammenbruch

  7. April/Juli 1945 Zeitgeschichte

    Zweimal Besatzungswechsel

    Im April besetzen amerikanische Truppen die Stadt. Zum 1. Juli 1945 wird Thüringen der sowjetischen Besatzungszone übergeben.

1945–1989

Kleingartenhilfe, VKSK und der Rat des Kreises

Nach 1945 wurde der Verein mehrfach umbenannt, aufgelöst und neu gegründet — meist nicht aus eigenem Antrieb. Der amtierende Bürgermeister Flagmeyer entließ die bisherigen Führer und beauftragte den langjährigen Schriftführer Gustav Gerlach mit der Weiterführung; die sowjetische Militäradministration erließ Befehle zur Entnazifizierung und Enteignung.

1948 beschloss das ZK der SED die Auflösung aller Verbände auf Kreis- und Landesebene; übrig blieben Ortsvereinigungen der „Kleingartenhilfe des FDGB“. Ab 1955 gehörte Nordhausen zum Kreisverband des VKSK, der dem Rat des Kreises unterstellt war.

1966 bekamen die einzelnen Anlagen, was ihre Obleute vier Jahrzehnte zuvor vergeblich versucht hatten: eigene Vorstände und eigene Zuständigkeit.

  1. 1945 Vor Ort

    Neuer Name: „Verband der Kleingärtner und Siedler“

    Der langjährige Schriftführer G. Gerlach führt den Verein weiter. Den Vorsitz haben nacheinander Fritz Steinecke (bis 1946), Gustav Fischer (bis 1950) und Fritz Schulze (bis 1955).

  2. 1948 Zeitgeschichte

    Auflösung der Kleingartenverbände

    Zunächst hatte das ZK der SED „Vereinigungen der Kleingartenhilfe“ befürwortet. Nach persönlichem Eingreifen Walter Ulbrichts werden alle Verbände auf Kreis- und Landesebene aufgelöst; genehmigt bleiben Ortsvereinigungen der „Kleingartenhilfe des FDGB“.

  3. 1949 Zeitgeschichte

    Gründung der DDR

  4. 1952 Zeitgeschichte

    Die Länder werden aufgelöst

    Nordhausen gehört fortan zum Bezirk Erfurt. Der Kreisverband ist dem Rat des Kreises unterstellt.

  5. 1953 Vor Ort

    Umbenennung zur Ortsgruppe Nordhausen

    „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, Ortsgruppe Nordhausen“.

  6. 1955 Vor Ort

    „Kleingartensparte Dahlie“ im Kreisverband

    Gustav Gerlach gibt das Amt des besoldeten Geschäftsführers ab, das er seit 1945 mit beratender Stimme innehatte. Bis 1965 führt es das Vorstandsmitglied Telle.

  7. 1959 Zeitgeschichte

    Der VKSK entsteht

    Am 28. und 29. November wird in Leipzig der Zentralverband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter gegründet.

  8. 1960 Zeitgeschichte

    Staatliche Anerkennung des VKSK

    Sie ist mit einer intensiven ideologischen Ausrichtung aller Sparten nach den Vorgaben des ZK der SED verbunden.

  9. 1965 Vor Ort

    1500 Mitglieder, 24 Anlagen, 1600 Gärten

    So groß ist die „Kleingartensparte Dahlie“ am Jahresende. Die Anlagen wurden bis dahin nur von Obleuten beaufsichtigt.

  10. 1. Januar 1966 Vor Ort

    Die Anlagen werden selbstständig

    Jede Anlage wählt von nun an ihren eigenen Vorstand — der Punkt, an dem aus einem großen Verein die Vielzahl heutiger Mitgliedsvereine wird.

  11. 1966–1989 Vor Ort

    Motorenwerk und Wohnungsbau

    Große Anlagen werden für die Erweiterung des IFA-Motorenwerks und den forcierten Wohnungsbau aufgelöst. Den Kleingärtnern wird Ersatzland zur Verfügung gestellt.

seit 1989

Wende, Neugründung und die Jahre danach

Die friedliche Revolution erreichte auch die Gartenzäune. Ein außerordentlicher Verbandstag beschloss 1990 die Auflösung des VKSK; an seine Stelle traten eingetragene Vereine, die sich ihre Vorstände wieder selbst wählten.

Mit der deutschen Einheit galt das Bundeskleingartengesetz auch in den neuen Ländern. Es ist bis heute die Grundlage der Arbeit des Kreisverbandes — die Bindung des Pachtpreises ebenso wie der Kündigungsschutz.

  1. 9. November 1989 Zeitgeschichte

    Die Mauer fällt

    Die friedliche Revolution beendet die DDR. Für die Kleingärtner steht innerhalb eines Jahres alles zur Disposition: der Verband, die Pachtverträge und die Rechtsgrundlage darunter.

  2. 1990 Vor Ort

    Auflösung des VKSK

    Ein außerordentlicher Verbandstag beschließt das Ende des Verbandes. Der Kreisverband des VKSK Nordhausen hat seine Geschäftsräume zu dieser Zeit in der Sangerhäuser Straße 15.

  3. 3. Oktober 1990 Zeitgeschichte

    Deutsche Einheit

    Mit dem Einigungsvertrag gilt das Bundeskleingartengesetz von 1983 auch in den neuen Ländern — Pachtpreisbindung und Kündigungsschutz auf neuer Rechtsgrundlage.

  4. 31. Dezember 1990 Vor Ort

    Gründung des heutigen Kreisverbandes

    Der bisherige geschäftsführende Vorstand, vertreten durch Erich Hage und Willi Junkherr, übergibt die Geschäftsräume mit dem gesamten Inventar an den neu gegründeten „Kreisverband Nordhausen der Kleingärtner“ e. V., vertreten durch den Vorsitzenden Dieter Springmann.

  5. 1994 Zeitgeschichte

    Schuldrechtsanpassungsgesetz

    Das Gesetz regelt, was aus den zu DDR-Zeiten geschlossenen Nutzungsverhältnissen wird — für viele Pachtverhältnisse in Ostdeutschland die Brücke ins bundesdeutsche Recht.

  6. bis 2015 Vor Ort

    Dieter Springmann führt den Kreisverband

    Ein Vorsitz über fast ein Vierteljahrhundert — vom Gründungstag an.

  7. 2015–2022 Vor Ort

    Marlis Biel übernimmt den Vorsitz

    Sie führt den Kreisverband bis zu ihrem Rücktritt im März 2022.

  8. 2022 Vor Ort

    Bernd Stodolka übernimmt die Geschäfte

    Zunächst als amtierender Vorsitzender.

  9. 2023 Vor Ort

    Wahl ohne Gegenstimme

    Die Mitgliederversammlung wählt Bernd Stodolka zum Vorsitzenden des „Kreisverband Nordhausen der Kleingärtner“ e. V.

Die Zeitleiste stützt sich für das Nordhäuser Kleingartenwesen auf die Überlieferung des Kreisverbandes. Die Einträge unter „Zeitgeschichte“ ordnen diese Ereignisse in ihre Zeit ein; sie stammen nicht aus den Unterlagen des Verbandes.

Wer zu einer Anlage, einem Namen oder einer Jahreszahl mehr weiß — oder etwas richtigstellen kann —, ist der Geschäftsstelle willkommen. Alte Fotos, Vereinschroniken und Protokolle sind für die Ergänzung dieser Seite von besonderem Wert.